Bericht Diözesanjugendreferent 2008
Welchen Wert hat
Erfolg-Macht-Ansehen
in der Evangelischen Jugend?
Es geht nicht darum, Erfolgskriterien festzulegen?
Es geht auch nicht darum, ein EJ „Armdrücken“ zu veranstalten, um herauszufinden, wer wen (r)unterdrücken kann.
Es geht darum, den Wert des Lebens auf den Grund zu gehen.
Ich unterstelle jede und jeder, dass Kinder-, Jungschar- und Jugendarbeit für jeden und jede hier Anwesende Herzenssache ist. Dieses Herzstück lohnt sich, näher unter die Lupe zu nehmen.
Das Herz ist der Beweger an und in uns. Wenn das Herz nicht mehr will, setzt das Leben aus. Bevor man nach der Empfängnis im Ultraschall irgend etwas sehen kann, ist bereits das rhythmische Schlagen des Herzens wahrnehmbar. Wunderbar!
Das Herz ist das umfassendste innere Organ.
Laut der Bibel ist es das Organ der Erkenntnis. Zugleich ist es der zentralste Ort der Wandlung des Lebens. Es ist die Mitte und gleichzeitig die Quelle einer jeden Persönlichkeit. Ich wiederhole: es ist die Mitte und zugleich die Quelle einer jeden Persönlichkeit.
In den großen Religionen nimmt das Herz gleichermaßen einen zentralen Platz ein: dein Herz – das bist du.
Dem noch jungen Volk Israel wird eine zeitlose Einladung ans Herz gelegt: „mit deinem ganzen Herzen“ sollst du Gott lieben. In 5. Mose 4, 4-6 steht: Herz, Seele, Kraft, das meint mit je anderem Akzent die ganze geistige Dynamik des Menschen. Die Bibel sagt, das Herz ist ursprünglich „der Ort der Einsicht“. Etwas ein-sehen bedeutet intel-legare. Wer in etwas Einsicht nehmen kann, der vermag in den Dingen zu lesen.
Das Herz als Scanner: es scannt den Wert der Welt – und wird dadurch befähigt, diesen Wert schätzend zum Ausdruck zu bringen.
Das ist der wahre Wert, der das Leben preist.
Der Wert des Lebens ist eben zuerst kein Messwert, kein Grenzwert, kein Geldwert.
Unser Herzen wohnt ein Ahnen und ein Sehnen nach dem Heiligen inne. Unser Herz erkennt und erhellt, was unbezahlbar und unantastbar ist. Mit dem Herzen gelingt die tiefste Erkenntnis gegenüber der Schöpfung gegenüber dem Schöpfer.
Genau das meint die Bergpredigt mit: „Selig, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott schauen!“ Matthäus 5,8.
In der Moderne wird das Wertebwusstsein mit drei Vorzeichen versehen: mit Erfolg. Mit Macht. Mit Ansehen.
Wir können ein Wortspiel machen: ERFOLG MACHT ANSEHEN:
Die Quote muss stimmen. Der Output muss passen. Quantität hat Vorrang. Wer von einer Sommerfreizeit berichtet, bekommt zwei Fragen gestellt: wie viel Leute waren dabei? Und ist eh nichts passiert?
Dann machen wir ein anderes Wortspiel:
ANSEHEN MACHT ERFOLG
Sign oder Design, das ist hier die Frage. Der Posaunenchor braucht ein rotes Gewand. Das sind doch gleich besser aus. Die Einladungen gehören auf Vierfarbenhochglanzpapier gedruckt. Die Kirche muss eine Marke werden, der sich jedeR unterzuordenen habe. Alle reden gleich, alle lächeln, jedeR geht mit der vorgegebenen Linie konform.
Das dritte Wortspiel:
MACHT ERFOLG! und es stellt sich automatisch ANSEHEN ein.
Mann kann den Missionsbefehl mit einer beinharten Expansionskampagne gleichsetzen. Dann ist jede und jeder ein diesem Zweck untergeordnetes Tool.
Dem gegenüber hat das gesunde und sensible Herz die Fähigkeit, drei Lebenswerte zur Entfaltung zu bringen: HILFSBEREITSCHAFT, RESPEKT, TOLERANZ.
Diese Werte leiten uns an, dass der Glaube lebbar wird – und dass zugleich das Leben glaubwürdig bleibt. Noch einmal: Diese Werte leiten uns an, dass der Glaube lebbar wird – und dass gleichzeitig das Leben glaubwürdig bleibt. In seiner Vielseitigkeit – und in seiner Vielschichtigkeit.
Ich schließe: der Mensch hört nicht auf groß z sein. Auch in seiner Schwäche.
Das Herz sucht und sehnt sich unbändig nach dem nicht Hintergehbaren, nach dem Wesentlichen, nach dem Unversehrten. Nach dem immer Neubleibenden.
Das Herz versieht Macht-Ansehen-Erfolg mit den drei Vorzeichen Respekt-Hilfsbereitschaft und Toleranz.
-Werner Graf-
