3. Dezember

Es kommt ein Schiff geladen

Schon als Kind lernte ich dieses Lied kennen. Bei uns zu Hause wurden an jedem Abend im Advent die Kerzen des Adventkranzes angezündet und dabei Lieder gesungen. Dieses liebte ich ganz besonders. Der Text steckt voller Bilder, die mir stets aufregend und geheimnisvoll erschienen. Vor meinen Augen erschien ein großes Segelschiff beladen mit lauter schönen und freudvollen Dingen. Es kam ganz leise und mit leichtem Rauschen begleitet und dann landete es. Die Luken wurden geöffnet und Menschen und Waren kamen heraus, darunter auch eine ganz besondere Fracht. Diese wurde dann sehr schnell in einen Stall gebracht und bald schon lag das Christkind dort in der Krippe. Für mich als Kind gar nicht überraschend.

Ich mag dieses – wohl eher selten gesungene – Lied noch immer besonders gern. Die ersten drei Strophen des Textes stammen aus dem 15. Jahrhundert. Das Schiff als Bild für das Mütterliche, Tragende, als Arche oder als Bild für die Kirche ist ein wunderbares Symbol. Auf einem Schiff werden Waren befördert, es bringt Nahrung und lebensnotwendige Dinge über das Meer in ein anderes Land. Damit kann man auch reisen, die Welt erobern, die eigene enge Sicht weiten und anderes kennenlernen. Gerade das ist ja auch die Botschaft von Weihnachten: öffnet die Augen, seid bereit für das Neue und Überraschende.

Gerhild Herrgesell
Oberkirchenrätin für Kirchenentwicklung