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Bodensuperstar Regenwurm

Unser Freund der Regenwurm - Alles was du über ihn wissen solltest:

Der Regenwurm in Österreich:

In Österreich gibt es 54 unterschiedliche Arten von Regenwürmern.
Er sorgt mit Hilfe seiner kalziumhaltigen Abscheidungen dafür, die säurehaltigen Bodeninhaltsstoffe zu neutralisieren und bewirkt so auf natürliche Weise eine Bodenverbesserung.
Neben ihm können bis zu 2000 Individuen pro m² Boden leben.

Der Name Regenwurm stammt wahrscheinlich vom sich ständig regenden Wurm. Ob das Verhalten, bei starken Regenfällen seine Wohnröhren rasch zu verlassen, um dem Wasseranstieg zu entkommen, für den Namen eine Rolle spielte, ist weiter unklar.

Das durchschnittliche Lebensalter eines Regenwurms liegt zwischen drei und acht Jahren.
Er wird 9 bis 30 cm lang und ist neben dem Kompostwurm (6-13 cm) die bekannteste Ringelwurmart
Ein ausgewachsenes Exemplar kann bis zu 160 Segmente haben.

Der Regenwurm hat ein hochentwickeltes Nervensystem mit Gehirn, Bauchmark und Segmentalnerven.
Er atmet über seine Haut – nimmt Sauerstoff auf. Er kann aber auch in sauerstoffreichen Wässern überleben.
Die in tiefen Schichten lebenden Arten kommen alle 2 Tage in höhere Schichten zur Sauerstoffaufnahme an die Oberfläche. In nassen und sauren Moorböden kann der Regenwurm nicht leben.

Der Regenwurm trägt auf seiner Haut winzige Borsten, die er mit besonderen Muskeln bewegen kann.
Er hat je nach Art unterschiedliche Hautpigmentierungen und damit unterschiedliche Farben.
In seinem Darm finden sich Sandkörner, die die Nahrung gleichmäßig zerreiben.

Mit etwa 2 Jahren ist er geschlechtsreif. Dann hat der Regenwurm einen Gürtel.

Der Regenwurm ist ein Zwitter, aber trotzdem braucht er zur Paarung einen etwa gleichgroßen Partner.

Bei der Paarung legen sich die Regenwürmer mit der Bauchseite ganz dicht aneinander. Ihre Köpfe zeigen in entgegengesetzte Richtung. Die Würmer tauschen ihre Samen aus. Das kann 2-3 Stunden dauern. Danach trennen sie sich wieder.
Nach einigen Tagen bildet sich um den Gürtel ein schleimiger Ring, in den die Eizellen hineinrutschen, und von den Samenzellen befruchtet werden.
Später streift der Regenwurm den Schleimring – das Kokon – ab. Es ist etwa erbsengroß. Die Embryonen ernähren sich vom umhüllenden Eiweiß. Je nach Art schlüpfen die jungen Regenwürmer bei 12°C in etwa 3 bis 8 Wochen, während des Winters benötigen sie noch länger.

Die kleinen Regenwürmer beginnen sofort zu fressen.

Regenwürmer bewohnen unterschiedliche Bodenzonen:

  • Einige Arten wohnen direkt unterhalb der Bodenoberfläche. Sie leben von abgestorbenem Pflanzenmaterial und Tierausscheidungen.
  • Dann gibt es Arten, die 2 Meter unter der Erde und tiefer leben. Sie dienen der Durchmischung von Mineralerde mit dem Humus.
  • Und es gibt noch Vertreter, die im oberen Bereich des Mineralbodens leben

Der Regenwurm benutzt beim Anlegen seiner Wohnröhren sein vorderes Ende als Bohrinstrument. Dabei erhöht er den hydrostatischen Druck seiner Leibeshöhlenflüssigkeit.
Die neu angelegten Röhren werden mit Schleim und Exkrementen ausgekleidet – man nennt diese Verfestigung „Tapete“. Sie hilft beim Auf- und Abstieg, und ist wieder ein Superdünger für Pflanzen.

Der Regenwurm ist nachtaktiv. Er zieht am Boden liegende Blätter und Keimlinge mit seinem Mund, den er zu einer Saugscheibe umfunktioniert, in seine Wohnhöhlen. Dort lässt er diese verrotten, um sie später zu verspeisen
Die Wohlfühltemperatur von Regenwürmen liegt zwischen 10 und 14°C.
Die Wintermonate  Dezember bis Februar verbringt der Regenwurm in Mitteleuropa in 40 bis 80 cm Bodentiefe in einer Art Kältestarre.
Lange anhaltende extreme Frostperioden können die Tiere nicht gut vertragen. Den Winter übersteht der Regenwurm indem er über Monate keine Nahrung mehr aufnimmt.
Zur thermischen Isolierung wird das "Schlafgemach" zuvor üppig mit Kot ausgekleidet.

Der Regenwurm kann sich nach Verstümmelung teilweise regenerieren, wenn die Verstümmelung nach den vorderen Segmenten erfolgt.
Während der Regeneration fallen Regenwürmer in eine Körperstarre. Sie können sich auch in Gefahrensituationen selbst verstümmeln.

Seine Feinde...

Der Regenwurm hat natürlich viele Fressfeinde: Laufkäfer, Vögel (Stare, Drosseln, Krähen, Möwen, usw.), Marder, Maulwürfe, Igel, Spitzmäuse, Erdkröten, Frösche, Feuersalamander, Hundertfüßer, Ameisen, Laufkäfer, aber auch Füchse und Dachse verspeisen gerne Regenwürmer. Es gibt auch Parasiten, die den Regenwürmern zusetzen. Maulwürfe beißen Regenwürmer ins Vorderende, damit diese erstarren. Sie legen richtige Regenwurmlager an für die Wintermonate.

Aber am gefährlichsten für den Regenwurm ist wie immer der Mensch, auch wenn dieses Gebiet noch weiter genauer erforscht gehört.

Bis jetzt ist bekannt:

  • Laub-Misch-Wälder sind für Regenwürmer besser als reine Nadelwälder.
     
  • Das Ausbringen von unverdünnter, unbearbeiteter Gülle mindert die Wurmdichte enorm, da diese Gülle für Regenwürmer zu ätzend ist. Der Verein „Rettet die Regenwürmer“ hat hier das Konzept „Vitagasmaschine“ entwickelt. Das Prinzip: durch Vergärung der Gülle entsteht Gas, das einen Motor antreibt, der Strom erzeugt. Die auf diese Weise behandelte (also vergorene) Gülle ist nicht mehr ätzend und für Regenwürmer gut verträglich. Das wirkt sich positiv auf die Fähigkeit des Bodens aus, Wasser zu speichern, denn die Regenwurm-Gänge bilden Kleindrainagen, die wie ein Schwamm wirken. Ein netter Nebeneffekt ist, dass die behandelte Gülle nicht mehr stinkt und so auch für Menschen besser „verträglich“ ist?
     
  • Die Einschleppung von exotischen Arten ist ein wesentliches Gefährdungspotential
     
  • Nach dem Ausbringen von Pestiziden und Herbiziden mit dem Wirkstoff Glyphosat stellen einige Regenwurm-Arten ihre Aktivitäten fast völlig ein und reduzieren die Vermehrungsrate enorm.
     
  • Doch das Hauptproblem ist die zunehmende Bodenversiegelung (z.B. durch Straßen- und Hausbau). Diese nimmt dem Regenwurm seinen Lebensraum.

Bodenverbrauch und Bodenversiegelung zählen europaweit zu den großen umweltpolitischen Herausforderungen der Zukunft.