Verein "teilweise" gewinnt ersten Innovationspreis der EJÖ

Festakt im Wiener Dschungel

Die Evangelische Jugend Österreich (EJÖ) hat am 10. Oktober 2020 zum ersten Mal ihren Innovationspreis in Höhe von € 5.000,- im Rahmen eines Festaktes im Dschungel Wien an den Salzburger Verein “teilweise” verliehen und mit allen Teilnehmenden aus fünf Bundesländern gefeiert.

Das Gewinnerprojekt, der Verein „teilweise“ hat partizipativ mit Jugendlichen und für Jugendliche ein “offenes Jugendhaus” errichtet, in dem diese unabhängig von ihrer sozialen, ökonomischen, konfessionellen oder religiösen Zugehörigkeit Raum finden.

Den Preis überreichte Juryvorsitzender Bischof Michael Chalupka. Ausgangspunkt seiner Laudatio war der Name des Vereins „‘Teilweise‘ – das klingt vorsichtig. ‚Teilweise‘ – das klingt zögerlich.“ Doch das sei hier nicht der Fall: Das Projekt wolle „etwas Mutiges und Beherztes. Es will Teilhabe ermöglichen und stärken. Es will Weisheit leben und geben.“ Hier werde Zugewandtheit und Neugier spürbar. Zugleich verweise der Name des Projekts auf seinen realistischen Anspruch: “Das Ganze sein wollen, ist Unsinn. Die Mehrheit sein wollen, ist Unsinn. ‘Wir sind ein Teil, nicht alles‘ – und daraus machen wir alles, was geht, für das Ganze, für unsere Nachbarschaft, für die Gesellschaft.“ Die Einsicht, selber ein Teil zu sein, öffne auch den Weg zum Wahrnehmen von Vielfalt, von Verschiedenheit. Das Anliegen, „die Jugendlichen vor Ort in ihrer ganzen weltanschaulichen und sozialen Vielfalt wahrzunehmen“, hat die Jurymitglieder besonders beeindruckt.

Ende 2019 haben wir alle Gliederungen der EJÖ, alle Pfarrgemeinden, Werke, Vereine, Initiativen und diakonischen Unternehmen innerhalb der Evangelischen Kirche A.u.H.B. in Österreich aufgerufen, mit ihren innovativen Projekten, die zwischen 2015 und 2020 stattgefunden haben bzw. stattfinden werden am EJÖ Innovationspreis teilzunehmen. Wir wollen damit sichtbar innovative Projekte aus dem evangelischen Umfeld vor den Vorhang holen, bei denen Menschen (neu) erreicht werden, die wir sonst mit kirchlichen Angeboten nicht (mehr) erreichen. Bei denen das Evangelium durch Wort und/oder Tat zum Leuchten gebracht wird und Sinn-, Lebens- und Glaubensfragen ihren fixen Platz haben. Die angepeilten Zielgruppen der Projekte sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 30 Jahre.

Die äußerst unterschiedlichen sechs Projekte aus fünf Diözesen, die schließlich bei uns eingelangt sind, zeigen die spannende Vielfalt mit der sich evangelische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen österreichweit den spezifischen Anforderungen der örtlichen Gegebenheiten stellt: Projekte wie den kreativen Umgang mit modernen Medien erlernen, Förderung offener Jugendarbeit, mobile Kirche die zu den jungen Menschen kommt, persönliche, anhand der Burg Finstergrün exemplarische Herstellung spiritueller und virtueller Verbindungen zum christlichen Glauben, moderne, an die Herausforderungen der Region angepasste Jugendzentren und schließlich junge Diakonie bei der junge Menschen auf lokaler Ebene durch unterschiedliche diakonische Projekte zum Dienst am Mitmenschen motiviert werden.

Jedes der eingereichten Projekte zeige, wie kreativ sich viele in den Pfarrgemeinden im ganzen Land engagierten, würdigte Oberkirchenrätin Gerhild Herrgesell die Initiativen in einer in ihrer Abwesenheit verlesenen Grußbotschaft. „Sie zeigen auf, was alles möglich ist, rütteln auf, Dinge anzupacken, ich bin stolz auf alle jungen Menschen, die hinter den Projekten stehen.“ Sie sieht diese auch als Auftrag an die Gesamtkirche, „es euch Jungen nachzumachen“.

Das große Ziel hinter der Idee des Innovationspreises sei es eine Plattform zu schaffen, “die unser Tun zeigt, unsere innovativen Entwürfe und Planungen, mutiges Neudenken in Bereichen, die nicht ohne Tradition auskommen, aber auch den heutigen Blick benötigen, um weiterbestehen zu können”, erklärte unsere frühere Jugendpfarrerin Petra Grünfelder als eine der Initiator*innen des Preises. “Was wir tun möchten: Wir wollen Euch zeigen, Euch vor dem Vorhang sehen.”

Die Jury bestand aus Bischof Michael Chalupka, OKR Gerhild Herrgesell, Clara Akinyosoye (ORF), Patrick Todjeras (Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung), Marjan Kac (Westbahnhoffnung Villach), Jugendpfarrerin Petra Grünfelder und Thomas Nanz (EJÖ).

Musikalisches Rahmenprogramm mit Yasuko Yamamoto (Klavier) und Jan Equiluz (Trompete).
Moderation: Dominik Knes und Caroline Ruttner.

Alle Infos zu Innovationspreis, Preisverleihung und Projekten finden sich zusätzlich online: www.ejoe.at/innovation/

Wien 10.10.2020 - jh


Thomas Nanz ist neuer Vorsitzender der EJÖ

Judith Schrödl folgt als stellvertretende Vorsitzende

Der neue Vorsitzende der EJÖ heißt Thomas Nanz. Der 26-jährige Wiener wurde am Samstag, 10. Oktober 2020, in Wien vom Jugendrat für Österreich einstimmig gewählt und tritt mit sofortiger Wirkung sein Amt an. Die Wahl wurde notwendig, da der bisherige Vorsitzende, Christian Weigele (EJ Niederösterreich) im Juni 2020 sein Amt aus persönlichen Gründen niedergelegt hat.

Thomas Nanz, der auch Vorsitzender der EJ Wien ist,  nimmt die Wahl „mit großer Freude an“ und bedankt sich für das Vertrauen der Delegierten. Er sieht der kommenden Besetzung der Jugendpfarrstelle mit großer Spannung entgegen und möchte die EJÖ bei dieser Aufgabe bestmöglich vertreten. Zugleich schickt er aber gleich voraus, dass er das Amt nur bis zum Ende der aktuellen Funktionsperiode im Juni 2021 bekleiden wird.

In seine bisherige Funktion, als stellvertretender Vorsitzender der EJÖ, folgt Mag. Judith Schrödl (EJ Niederösterreich) die bislang Mitglied der Jugendleitung für Österreich (JULÖ) war. Die dadurch freigewordene Funktion innerhalb der JULÖ wird Benedikt Schobesberger von der EJ Oberösterreich übernehmen.

Thomas Nanz hat Verfahrenstechnik an der TU Wien studiert und arbeitet im Rahmen seiner Dissertation an der Verbesserung des Hochofen-Prozesses. Seit seiner Konfirmation 2008 ist er in der Pfarrgemeinde Wien-Ottakring und auch in der Diözese Wien aktiv und seit 2014 dort Vorsitzender. Er verbringt sehr gerne Zeit auf Burg Finstergrün beim Aufbaulager oder als Freizeitleitung der Jugendfreizeit "Go Wild". Seine Freizeit nutzt er um in die Berge zu gehen sowie bei sportlichen oder auch gemütlichen Treffen mit Freunden.

Wien 10.10.2020 - jh/tn


Evangelische Jugend Österreich (EJÖ) fordert

Corona: Auf Kinder und Jugendliche darf nicht schon wieder vergessen werden!

Kindern und Jugendlichen wurde im Zuge der ersten „Covid-Welle“ politisch nur im Zusammenhang mit Schule und dem unsäglichen Wort „Superspreader“ Beachtung geschenkt. Im ersten Lockdown waren sämtliche außerfamiliäre soziale Kontakte verboten – so wurde es zumindest kommuniziert. Der wichtige Kontakt zu Gleichaltrigen wie Peer-Groups, feste*r Freund*in oder Kolleg*innen aus den Sportvereinen, war plötzlich verboten. Viele Studien zeigen mittlerweile, dass die negativen psychischen und auch physischen Folgen der rigorosen Covid-Einschränkungen vor allem für Kinder und Jugendliche verheerend sind. Ängste, Antriebslosigkeit und Depressionen erleben Hochkonjunktur. Daher fordern wir, dass bei den neuen Maßnahmen, die im Zusammenhang mit der „zweiten Welle“ seitens der Regierung festgelegt werden, das Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen mitbedacht wird! Das Treffen von Peer Groups, die Teilhabe bei Verbänden und Vereinen, der Besuch von Freund*innen – all das muss legal bleiben!

Für viele Kinder und Jugendliche sind die Angebote der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit ein wichtiger Teil der Freizeit. Schon im Frühjahr mussten alle persönlichen Angebote eingestellt werden. Mit einer Beschränkung auf 10 Personen stehen wir wieder vor derselben Situation. Aber genau der persönliche Kontakt innerhalb solcher Gruppen ermöglicht es den Kindern und Jugendlichen, in dieser herausfordernden Zeit Unterstützung zu finden.

Die Beschränkung auf 10-Personen-Gruppen bedeutet für zahlreiche Gruppen, dass diese geteilt werden müssen. So sind doppelt so viele (größtenteils ehrenamtliche) Mitarbeiter*innen und doppelt so viele Räumlichkeiten nötig. Oder die bisherigen Mitarbeiter*innen müssen doppelt so viel ihrer ohnehin knappen Freizeit investieren. Eine andere Möglichkeit, das zu managen, wäre, unsere Angebote zu reduzieren, was zulasten der Kinder und Jugendlichen geht – das wollen wir unbedingt vermeiden! Daher fordern wir für die außerschulische Kinder- und Jugendarbeit die Beibehaltung der 20-Teilnehmer*innen-Regelung oder alternativ eine Angleichung an die Regelungen für den Schulbetrieb!

   [Nachtrag 19.9.: derzeit sieht es so aus, dass §10b der Lockerungsverordnung mit der 20-Teilnehmer*innen-Grenze gültig bleibt. Aber die allgemeine Forderung, dass auf das Wohlerlgehen von Kindern und Jugendlichen nicht vergessen werden darf, bleibt topaktuell!]

Kinder und Jugendliche dürfen nicht den Preis für den Schutz der älteren Generationen zahlen! Es muss eine Form des Schutzes geben, die nicht auf Kosten derer geht, die am wenigsten selbst vom Virus betroffen sind. Wer jetzt nur an das Wohl der Wirtschaft denkt, denkt kurzfristig. Denn wenn Kindern und Jugendlichen der Raum genommen wird in dem sie sich zu eigenständigen, verantwortungsbewussten und gesellschaftsfähigen Menschen entwickeln können, dann werden sämtliche Bereiche der Gesellschaft darunter leiden.

Diesmal dürfen Anliegen von Kindern und Jugendlichen nicht wieder unter den Tisch fallen.

Wien, 18.9.2020 - tn/el

Rückfragehinweis:

Evangelische Jugend Österreich (EJÖ)

Elisabeth Löbl, Geschäftsführung
0699 / 188 77 096
e.loeblejoeat


Evangelische Jugend Österreich (EJÖ) fordert

Soforthilfe für die Menschen in Moria, Evakuierung des Lagers

Gegen eine Politik der Abschottung und Ausgrenzung und für die Aufnahme von Menschen in großer Not.

Sofortige Evakuierung des Lagers, unbürokratische Verteilung der Geflüchteten auf die Staaten der EU, Aufnahme von mindestens 100 Kindern in Österreich.

Mit Schrecken verfolgen wir von der EJÖ die Nachrichten aus dem restlos überfüllten und mittlerweile niedergebrannten Flüchtlingslager im griechischen Moria auf Lesbos. Ein Lager, errichtet für 3000 Menschen, das mit weit über 12.000 Menschen heillos überfüllt ist und wo Männer, Frauen und Kinder ohne irgendeine Perspektive seit Jahren unter unerträglichen, unmenschlichen Bedingungen ausharren müssen, jetzt sogar ihres einfachsten Obdachs beraubt sind und de facto absolut alles verloren haben. Nach den ersten Covid-19 Fällen, wurde das Lager unter Quarantäne gestellt, was die Situation für die Menschen dramatisch zugespitzt hat. Ein Zustand der allein einer dringenden, raschen Lösung bedurft hätte.

Wann, wenn nicht jetzt ist es hoch an der Zeit, europaweit und vor allem auch hier in Österreich Verantwortung zu übernehmen und christliche Nächstenliebe zu zeigen?

Wir fordern daher: Sofortige Evakuierung des Lagers, unbürokratische Verteilung der Geflüchteten auf die Staaten der EU, und natürlich die schon lange geforderte und von der EJÖ unterstützte Aufnahme von mindestens 100 Kindern in Österreich. Weiters sind, gerade im Hinblick auf die Ereignisse 2015, endlich menschliche, belastbare Strukturen für Verteilung und Unterbringung von Geflüchteten in der EU herzustellen.

Wir sind gegen eine Politik der Abschottung und Ausgrenzung und für die Aufnahme von Menschen in großer Not.
Wir unterstützen voll inhaltlich den Aufruf unseres Bischofs Michael Chalupka an die österreichische Bundesregierung, Verantwortung zu übernehmen und sich „am Konzert der europäischen Staaten, die eine Tradition der Hilfsbereitschaft haben“, zu beteiligen. Genauso unterstützen wir die bereits angelaufenen Nothilfeaktivitäten der Diakonie, die bereits ein Spendenkonto eingerichtet hat:
IBAN: AT85 2011 1287 1196 6333
Kennwort: Flüchtlingshilfe Griechenland.

Wien, 11.9.2020 - jh/el


Evangelische Jugend Österreich (EJÖ) für Inflationsanpassung der Bundesjugendförderung

40% Wertverlust müssen endlich ausgeglichen werden.

Wir fordern, die Bundesjugendförderung nach knapp 20 Jahren bei den laufenden Budgetverhandlungen entsprechend anzugleichen und unterstützt damit die von der Bundesjugendvertretung heute geforderte überfällige Inflationsanpassung.

Seit 2001 gab es keine Wertanpassung der staatlichen Bundesjugendförderung mehr. Das entspricht einem realen Wertverlust der Fördergelder für die geförderten Kinder- und Jugendorganisationen von rund 40%. Es ist also hoch an der Zeit, die Förderung nicht nur entsprechend anzuheben, sondern sie den in den letzten 20 Jahren gestiegenen Anforderungen in der außerschulischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen anzupassen.

„Gerade als Kinder- und Jugendorganisation, deren Engagement zum überwiegenden Teil auf ehrenamtlicher Arbeit beruht, merken wir den stillen Wertverlust der Förderungsgelder Jahr für Jahr immer stärker.“, so die Bundesgeschäftsführerin der EJÖ, Elisabeth Löbl. Es bedeutet, den Rahmen für Projekte für Kinder und Jugendliche immer enger zu stecken, Angebote zurückzufahren und in letzter Konsequenz nicht mehr anzubieten. Den vielfältigen Ansprüchen, die junge Menschen an moderne Arbeit mit Kindern und Jugendlichen haben, ist mit real immer geringer werdenden Mitteln kaum mehr sinnvoll und glaubwürdig zu begegnen.

„Wir fordern eine gesetzlich verankerte jährliche Indexanpassung der Basis- und Projektförderung, die notwendig ist, um weiterhin professionell arbeiten und auf die Ansprüche junger Menschen gut eingehen zu können. Wir gehen davon aus, dass dies im Sinne aller Beteiligten zentral wichtig ist.“, so Löbl. Denn die Arbeit der EJÖ und aller anderen geförderten Jugendorganisationen, die Heranwachsende unterstützen, ein Leben in reflektierter Selbstbestimmung und Selbstverantwortung zu leben, die integrativ, präventiv und erweitert bildend agieren, ist auch demokratiepolitisch bedeutsam und für das Funktionieren der Gesellschaft relevant.

Siehe auch OTS:

EJÖ zur Inflationsanpassung der BJF

Wien, 2.3.2020 - jh/el