Reisen neu denken

Entwicklung durch Reisen

Desto weiter ich reise, desto näher komme ich an mich heran.
Andrew McCarthy

Erst das Aufbrechen, die Begegnung mit anderen Kulturen und Religionen, das Riechen und Schmecken in anderen Ländern lässt uns den Wert der eigenen Kultur erkennen, schätzen, aber auch kritisch hinterfragen.
Wir dürfen auf Reisen Gast sein.

Kinder und Jugendliche brechen oftmals auf zu Reisen und kommen ein Stück erwachsener zurück.

Auf der Burg Finstergrün lernen wir als Betreuer*innen Kinder kennen, die das erste Mal von Zuhause weg sind. Besonders am Abend – beim ersten Übernachten in fremder Umgebung, kommt großes Heimweh auf. Am kommenden Morgen sind dann die am Abend zuvor zweifelnden Kinder fröhlich beim Frühstück, glücklich und stolz, diese große Herausforderung gemeistert zu haben.

Bei Jugendfreizeiten bemerken unsere Betreuer*innen häufig ein Aufbrechen von im Alltag verschütteten Fragen und Problemen, denn plötzlich ist Zeit und Raum dafür. Urlaub bedeutet auch über sein Leben nachzudenken, es eventuell neu zu ordnen.

Reisen ist auch Begegnung mit anderen Religionen. Meinen Glauben im Vergleich zu anderen Religionen neu zu entdecken ist immer wieder spannend.

Reisen ist eine Form unsere Lebensbatterie aufzuladen. Während des stressigen Alltags kann dann von den Erlebnissen und Begegnungen gezerrt werden.

fairnünftig Reisen... how to

Reise mit leichtem Gepäck

Trenne dich von unnötigem Ballast. Nimm in deinem Koffer nur mit, was du wirklich brauchst. Hier gilt es, dass minimalistische Denken zu schulen. Meist nimmt man viel zu viel mit.

Schon beim Kofferkauf achte auf Nachhaltigkeit. Viele in Fernost produzierte Koffer werden mit giftigen Chemikalien hergestellt, und die Menschen in diesen Fabriken sind sehr schlecht bezahlt.

Zero-waste-Grundausstattung

Unbedingt mit auf Reisen gehört die wiederverwendbare Trinkflasche, ein Jutebeutel und ein Einkaufsnetz zum Einkaufen, ein wiederverwendbares Besteckset, ein Trinkbecher. Damit kannst du schon eine ganze Menge Müll vermeiden. Es gibt auch wiederverwertbare Strohhalme mit Filtersystem, genannt LifeStraw. Damit können Schadstoffe und Mikroorganismen aus verschmutztem Wasser entfernt werden. Trotzdem Vorsicht, denn eine Magen-Darm-Verstimmung fördert nicht das Urlaubsvergnügen.

Die Sonnenmilch sollte möglichst chemiefrei und korallenfreundlich sein.

Bevor du für längere Reisen losfährst schalte, zu Hause alle Stand-by-Geräte komplett ab.

Reisedauer

Da die An- und Abreise zu den größten CO2 Belastungen führen, wird empfohlen weniger, dafür aber länger zu verreisen. Ein angemessenes Verhältnis zwischen Reisedauer und Reisedistanz ist ein MUSS. Also möglichst keine Wochenendtrips oder Kurzreisen, sondern nimm dir bewusst Zeit zum Reisen.

Reiseart

Für wen Fliegen NICHT absolut nötig ist, der sollte auf CO2 günstigere Transportmittel umsteigen.

Wenn du den Grundsatz folgst, bei Reisen unter 1.000 km grundsätzlich die Bahn zu verwenden, trägst du zum umweltfreundlichen Reiseverhalten bei.

Direktflüge sind umweltfreundlicher als Flüge mit Zwischenstopps, da in Start- und Landepositionen besonders viele Treibhausgabe ausgestoßen werden. Es gibt schadstoffärmere und schadstoffstärkere Flugzeugtypen. Die Website https://www.atmosfair.de/ berechnet den Schadstoffausstoß deines Fluges.

Bei der Anreise mit dem Auto bildet Fahrgemeinschaften. Es gibt Apps für Mitfahrgelegenheiten, oder nimm du jemanden mit. Das macht das Reisen angenehmer, aber auch spannender. In vielen Städten gibt es heute gute Carsharing-Modelle.

Die Kompensation von CO2 verhindert den Ausstoß nicht, aber es werden die freiwilligen Klimaschutzbeiträge dazu verwendet, erneuerbare Energien in Ländern auszubauen, wo es diese noch kaum gibt. Also vor allem in Entwicklungsländern. So profitieren Menschen vor Ort, die damit Zugang zu sauberer und ständig verfügbarer Energie erhalten.

Radtouren und Segeltörns sind besonders umwelteffizient. Oder erwandere doch mal ein Gebiet. Gerade Pilgerreisen zu Fuß haben einen besonderen Charme.

Meide Eventmaturareisen und All Inclusive- Clubreisen, in denen man abgeschieden vom jeweiligen Land mit Partys nur in der Anlage den Urlaub verbringt. Von diesen Reisen profitiert nur der Anbieter, selten die Bevölkerung vor Ort.

Unterkünfte

Viel Unterkünfte achten inzwischen auf erneuerbare Energieanlagen. Um diese Häuser erkennbar zu machen gibt es die unterschiedlichsten Nachhaltigkeits-Logos.

Achte bei der Buchung des Hotels auch, ob sich der Betrieb zur Einhaltung des Kinderschutzkodes, der von ECPAT in Kooperation mit Reiseveranstaltern und der Welttourismusorganisation entwickelt wurde, verpflichtet hat.
Genauere Infos dazu unter https://www.ecpat.at/themen/im-tourismus#c109

Es gibt in den letzten Jahren immer wieder Ideen alternativen Reisens. Ein alternativer Trend ist Couchsurfing. Du kannst in einem Gastfreundschaftsnetzwerk kostenlos bei einem Mitglied übernachten, und bietest dann in deinem Zuhause für andere Urlauber bei dir einen Schlafplatz an. Jede*r Nutzer*in hat ein aussagekräftiges Profil mit Bewertungen in der Couchsurfinggemeinschaft.

Wirtschaftliche Aspekte

Natürlich ist der Tourismus für viele Menschen auch eine positive Entwicklung. Arbeitsplätze werden geschaffen. Um aber die Menschen vor Ort zu unterstützen kaufe regional ein. Besonders auf lokalen Märkten und in Markthallen ist das Angebot gut und günstig.

Besuche zum Essen kleine, lokale Restaurants und meide große Ketten.

Verzichte auf nichtssagende Souvenirs. Die meisten sind sowieso „made in China“. Kaufe keine Mitbringsel, die aus gefährdenden Tierprodukten wie Elfenbein, Haifischzähnen oder seltenen Lederarten produziert wurden. Bring lieber lokale, traditionelle Produkte – Gewürze, Wein, Tonprodukte – mit nach Hause.

Achte auf die guten Geister rund um Dich und wertschätze ihr Tun.

Sei Gast, nicht Tourist

Bereite dich auf deine Reise vor. Informiere dich über das Land, die Kultur, die Sprache, die Kleidung, gelebte Traditionen, politische Lage und Sicherheit, das Wetter zur Reisezeit, die Natur, aber auch über spannende Ideen und Umweltprojekte.

Lerne aus Achtung gegenüber deinen Gastgeber*innen die wichtigsten Phrasen wie Begrüßung, Zahlen oder einfache klassische Sätze. Es macht nichts, wenn nicht alles gleich perfekt ausgesprochen ist. Es gibt auch schon gut funktionierende Apps, die die Kommunikation im Gastland erleichtern.

Bedenke, dass du Botschafter*in deines Landes im Gastland bist, und sei dir bewusst, welches Privileg es ist, reisen zu können.

Bitte gehe achtsam mit und in religiösen Gebäuden um. Diese sind kein touristisches Konsumgut, sondern heilige Stätten der Gastgeber*innen. Verhalte dich darin respektvoll.

Schreibe ein Reisetagebuch, damit du dich später an besondere Erlebnisse und Eindrücke nochmals erinnern kannst.

Mitmachaktion 2021

Wir gestalten einen fairnünftigen Reiseführer mit deinen ReiseTipps!

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Persönliche Infos und Fakten zu deiner Reise.

Teilnahmeschluss: 1.10.2021

Infos: c.herndler-berka(at)ejoe.at